Was macht eigentlich ein Hauptmannszug?

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Was macht eigentlich ein Hauptmannszug?

1979 erwies sich mit fünf neuen Zügen als ein sehr fruchtbares Jahr für das Hubertuskorps. In diesem Jahr marschierte Peter Schiefer zum Schützenfest noch ohne Degen im Hubertuszug „Götz von Berlichingen“. Dies sollte jedoch nicht mehr lange anhalten. Im selben Jahr gründete er mit einigen Freunden einen eigenen Zug, die „Luschhönches“.

In diesem nahm er statt dem Blumenhorn dann eine andere – vielleicht noch schwerere – Last auf seine Schultern: Die Verantwor tung als Oberleutnant. Diese trägt er auch heute noch wie die anderen beiden Char gierten an seiner Seite, mit viel Freude aber auch vor allem durch die Unterstützung von Seiten des Zuges. Diese Unterstützung er wies sich während seiner Zeit als Hauptmann als unverzichtbar.

Schon länger gut im Hubertuskorps vernetzt und zuhause fühlend, war es für ihn doch an den Kirmestagen nie denkbar, abseits von seinem Zug zu feiern. Wahrlich wird ja auch auf der Generalversammlung der Hauptmannszug als ganzer gewählt, weshalb es sich lohnt, diesen auch nochmal unabhängig von seinem Zugführer zu beleuchten.

Das Schützenfieber breitete sich im und auch schon vor dem Gründungsjahr allmählich im Freundeskreis von Peter Schiefer aus, in dem mancher – für den Autor heute unvorstellbar – der Sache anfangs noch skeptisch gegen überstand. So entschloss sich eine Clique, die sich in erster Linie durch Angebote der Pfarrjugend Heilige Drei Könige gebildet hatte, am Kirmesmontag im Festzelt einen Schüt zenzug zu gründen. Die Gründungsmitglieder entschlossen sich für den Namen „Lusch hönches“.

Der Name hat noch viele Jahre manch einen zum Rätseln gebracht

Luschhönches
Logo der Luschhönches

Was mag er denn bedeuten? „Lusch“ ist das Schilf auf Nüsser Platt und „Hönche“ ist eine Verkleinerung von „Hohn“. Das Geflügel, dass sich im Schilf herumtreibt, ist statt dem Huhn jedoch die Ente, womit der Begriff letztendlich eine Duckente meint. Aber was hat das mit den „Luschhönches“ zu tun? Aus dem Enten-Angeln-Alter waren sie nun sicht lich herausgewachsen, man vermochte sich anders Freude an den Kirmestagen zu bereiten. Tatsächlich versteckt sich die Lösung des Rätsels im Neusser Alphabet nach Karl Kreiner. Der verleiht den Namen „Luschhönches“ jenen neugierigen Menschen, die wie das im Schilf versteckte Tier flink ihren Kopf hin und her bewegen und die Ohren spitzen können, um stets aktuellen Neuigkeiten zuhorchen zu können. Im Wort steckt ja auch eine Ähnlichkeit zum Begriff „lauschen“. Zu sehr an dieser Eigenschaft zu verharren, das streiten die Zugmitglieder jedoch von sich ab.

Dass sie jedoch bestens über das Schützenfest informiert waren, wird klar, wenn man einen Blick in die Ahnengalerie einzelner Mitglieder wirft. Hier finden sich nämlichehemalige Schützenkönige, Komiteemitglieder und auch Regimentsoberste vor. Der einzige Schütze mit praktischer Kirmeserfahrung vor der Gründung neben Peter war Stefan Bringmann, der Sohn des späteren Regiments- und Ehrenoberst Josef Bringmann. Er reifte die Idee zur Gründung des Zuges auch zusammen mit Peter während ihrer gemeinsamen Zeit im Hofstaat aus und steht diesem seit Gründung als Leutnant bzw. während der Zeit als Hauptmannszug als Oberleutnant zur Seite.

Andere prominente Gesichter im Zug

Hauptfeldwebel Michael Matusche, seit 2018 Ehrenmitglied und zuvor seit 2003 Geschäftsführer unserer Gesellschaft, sowie Ralf Berger, von 1994 bis 1999 im Hubertusvorstand als Kassierer, dann Schatzmeister und später als Musikbeauftragter von 2002 bis 2017 im Komitee tätig, nach dessen Rücktritt er zum Ehrenmitglied des NBSV gewählt wurde.

Wie das Kirmesfieber in den Stammbäumen bei einigen Zugmitgliedern zurückverfolgt werden kann, so ist der Funke der Begeisterung auch auf viele Zugkinder und zuletzt sogar Schwiegersöhne übergesprungen. Seit ein paar Jahren setzen sich Ulrich Dahmen und Georg Leusch darüber hinaus als Beauftragte für junge Züge ein und stehen diesen in ihrer frühen Gründungsphase mit Auskunft und Begeisterung fürs Hubertuskorps zur Seite. So hat der Zug in den letzten Jahren mehrmals die Rolle des Patenzuges für junge Züge übernommen. Der Autor kann hier aus dem eigenen Nähkästchen plaudern und vor allem auf ein Jahr als Gastmarschierer zusammen mit eigenen Zugmitgliedern in den Reihen der „Luschhönches“ zurückblicken.

Als Dank für die Rückendeckung, die der Zug nicht nur unserem Ehrenhauptmann, sondern dem ganzen Korps gab, wählte die Generalversammlung den Zug für drei Jahre zum Blockführer im dritten Marschblock, wo sie ihre über viele Jahre angesammelte Erfahrung noch einmal auf kleinem Level anwenden können.

Dominik Schiefer