Die drei Ablaufoffiziere des NBSV

Die drei Ablaufoffiziere des NBSV
Ablaufoffiziere des NBSV – V.l.n.r.: Stephan Driesen, Bernd Miszczak, Robert Waldmann

Jeder Schütze des Regimentes kennt sie, doch wieso stehen sie dort wo sie stehen, welche Aufgaben erfüllen sie und warum gibt es überhaupt Ablaufoffiziere? Dieser Bericht soll dem Leser einen Einblick in die Tätigkeiten der Offiziere, die den Ablauf über unser Schützenfest regeln, geben.

Schützenfestsonntag in Neuss:
07:45 Uhr | Die Regimentsspitze, das Komitee, die Korpsführer, Standartenträger, die einmaligen Ehrengäste und weitere Offizielle versammeln sich im Rathausfoyer, um gemeinschaftlich am ökumenischen Morgenlob und Hochamt der Lebenden und Verstorbenen Mitglieder des NBSV im Quirinus Münster teilzuhaben. Somit starten die Ablaufoffiziere, um Robert Waldmann (10 Jahre ALO), Stephan Driesen (10 Jahre ALO) und Bernd Miszczak (9 Jahre ALO) als eine der ersten in den Tag, um zu kontrollieren, dass der Zugweg vom Rathaus zum Quirinus-Münster nicht durch Absperrungen oder ähnliches versperrt ist und um zu prüfen, ob die geplante Sitzordnung im Münster eingehalten wurde und auch wird.

08:00 Uhr | Sobald im Hochamt alles „mit rechten Dingen“ zugeht, geht das eingespielte Trio ihrer Organisation der Parade nach. Schmunzelnd, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, haben sie in kürzester Zeit die Areale der Klangkörper, der Edelknaben, der Presse und natürlich der Kontrolllinie, zur Abnahme der Klangkörper während der Parade, vermessen und mit Klebeband versehen, damit die Genannten wissen, wo sie sich genau aufhalten dürfen.

Darüber hinaus kontrollieren die Drei für ihren Vorgesetzten, Regimentsoberst Walter Pesch und dessen Adjutanten Ben Dahlmann, das Areal, in dem sich die Pferde der Regimentsspitze aufhalten dürfen. Sie dürfen nicht von Scherben durch den Vorabend oder bereits verlegte Kabel des übertragenden Fernsehteams behindert werden. In der Zwischenzeit ist Robert für die rechtzeitige Abholung der Ordensschatulle verantwortlich und auch die Hinterlegung des Gästebuches für das Königsmahl zu Ehren S.M. Bruno II. im Zeughaus ist noch zu erledigen.

09:20 Uhr | „Pünktlich“ nach Ende des Hochamtes gehen alle Geladenen vom Hochamt über den Freithof und den Markt in das Neusser Rathaus, wo das festliche, sonntagmorgendliche Frühstück der Stadt Neuss stattfindet. Zum ersten Mal an diesem Morgen kommt für die drei Ablaufoffiziere etwas Ruhe in den Morgen und der erste Kaffee, die ersten „üppigen“ Schnittchen und was sonst noch alles an Leckereichen von Seiten der Stadt aufgefahren wird, können zu sich genommen werden. Nach der Begrüßung des Bürgermeisters Reiner Breuer verleiht Schützenmajestät Bruno II. Weyand seinen Königsorden mit Hilfe von Robert und Bernd an die Mitglieder des Komitees, den einmaligen Ehrengästen und weiteren auszuzeichnenden Schützen.

 

In der Zwischenzeit kontrolliert Stephan mit Schützenmeister Dr. Achim Robertz vom Balkon des Neusser Rathauses aus die Klangkörper auf Vollzähligkeit, Uniformordnung und Akkuratesse.

Es ist unglaublich zu sehen, welches Gespür und welche Expertise auch für diese Tätigkeit von Nöten sind, da Stephan beinahe alle Musiker und Musikerinnen namentlich kennt und den Tambourmajoren und Spielmannszügen jegliche Auffälligkeit nach dem Aufmarsch mitteilt, damit diese vor der großen Königsparade noch Zeit haben, Genanntes zu ändern beziehungsweise auszuwechseln.

10:45 Uhr | Exakt auf die Minute warten Robert und Bernd vor dem Rathaus beim Aufmarsch zur großen Königsparade auf das Eintreffen der Artillerie und stoppen diesen auf dem Büchel – was für ein Bild! Während der Regimentsoberst und sein Adjutant die Front abreiten, stellen sich der Schützenkönig, das Komitee und die Ehrengäste vor dem Rathaus auf. Das gebannt zuhörenden Publikum auf den vollen Tribünenrängen lauscht, wie Schützenpräsident Martin Flecken in seiner Ansprache die Grüße der Neusser Schützen in alle Welt entsendet und an die Werte des Neusser Bürger-Schützenfestes erinnert und appelliert. Mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne und dem Hissen der Deutschlandfahne schließt sich der nächste Gänsehautmoment an.

11:45 Uhr | Ebenfalls beeindruckend an diesem Tag ist die Meldung an die Majestät durch Regimentsadjutant Ben Dahlmann, wohl gemerkt aus vollem Galopp heraus, dass das Regiment zur Abnahme angetreten ist. Unmittelbar im Anschluss nimmt Majestät in Begleitung des Komitees, der Regimentsspitze, der Ehrengäste, der Ehrenmitglieder, des Bürgermeisters und vielen weiteren Offiziellen die gesamte Front ab. Der nächste Höhepunkt auf dem Markt lässt nicht lange auf sich warten. Denn kaum haben Majestät und Gefolge den Markt verlassen, erfolgt der Aufmarsch der Blumenhörner.

Die Hönisse des Jägerkorps und der Hubertusschützen präsentieren bei ihrem Marsch über den Markt mit Stolz und Freude rund 85 (!!!) kunstvoll gesteckte Blumenhörner.

Der langanhaltende Applaus von den Tribünen ist der Lohn für die Mühen, die gerade bei der diesjährigen Hitze viel von den Protagonisten verlangt. Kaum haben die Hönisse den Markt wieder verlassen, richten sich die Augen der Zuschauer auf die Grenadiersänger. Vielstimmig und gekonnt tragen sie bekanntes und weniger bekanntes Liedgut vor. Schützenlieder wie „Auf Uns“, „Wir sind bereit“, „Hisset die Fahnen“ und der „Europahymne“ sorgen für die nächsten Gänsehautmomente. Dabei ist der kurzweilige musikalische Vortrag jedes Jahr so gewählt, dass sobald Majestät mit seinem Gefolge wieder auf dem Markt erscheint, das Lied „Des Neussers Freud und Lust“ angestimmt wird und beim Refrain „Kirmes, Kirmes, du des Neussers Freud und Lust“ alle Teilnehmer und Besucher die Arme heben. Es ist sehr empfehlenswert für jeden Schützen, sich das beeindruckende Geschehen am Sonntag hinter den Absperrungen anzuschauen.

12:00 Uhr | Pünktlich zu den Klängen unseres Quirinus-Münsters, verlassen die Regimentsspitze, das Sappeurkorps und das Grenadierkorps den Markt. Währendem verleiht der Schützenkönig mit Hilfe der Ablaufoffiziere weitere Orden an unsere jüngsten Schützen – immerhin rund 40 aufgeregte und sichtlich stolze Edelknaben.

 

Es folgt der absolute Höhepunkt des Schützenfestsonntags – die „Große Königsparade“.

Stephan steht oberhalb der Hessentorbrücke an der Hymgasse und ist für den ordnungsgemäßen Anmarsch der Korps und Züge zuständig und achtet erneut vor allem auf das Auftreten der Schützenzüge und Klangkörper. Bernd postiert sich vor der Inseltribüne und wird zur Parade im Einschwenkbereich der Musik eingesetzt, um dafür Sorge zu tragen, dass die Klangkörper weit genug durchmarschieren. So wird gewährleistet, dass der Kapellmeister der Blaskapelle gegenüber dem Schützenkönig steht.

Robert, wird ebenfalls im Einschwenkbereich der Musik eingesetzt. Seine Aufgabe ist es, dass die Klangkörper vollständig bis an die Absperrung zurücktreten, damit genug Platz für die vorbeimarschierenden Schützen – in einer, zwei oder gar drei Reihen, je nach Zuggröße – bleibt. Darüber hinaus hat Robert die Uhr ständig im Blick und notiert die aktuellen Zeiten und vergleicht diese mit dem vorgegebenen Zeitplan.

Nach der großen Königsparade und Meldung der Zeiten an den Schützenmeister, tragen die Drei dafür Sorge, dass die Absperrungsgitter, für den Zugang des Schützenkönigs, der Ehrengäste und des Komitees zum Königsmahl im Zeughaus, geöffnet sind. Während der Rede des Präsidenten und Weiteren, sind Robert, Bernd und Stephan vor allem für die Betreuung des Gästebuches verantwortlich. Sie achten in höflicher Art und Weise darauf, dass sich die rund 80 Gäste in das Gästebuch des Neusser Bürger Schützenvereins eintragen. Das Zeitfenster hierbei ist eng gesteckt, denn dies sollte tunlichst nicht während der einzelnen Gänge des Königsmahls, den Reden und der Ehrungen erfolgen.

 

Ihren Einsatz im Zeughaus beenden die Ablaufoffiziere im Anschluss an das Königsmahl, in dem sie akribisch die Vollständigkeit der berühmten (und äußerst wertvollen) 52 goldenen Trinkbecher kontrollieren.

Während die Trinkbecher, das Tischsilber und das Gästebuch durch Robert und Bernd sicher im Zeughaus in Verwahrung übergeben werden, ist Stephan bereits im nächsten Einsatz und weist die Tamboure am Kehlturm an, ihr Spiel einzustellen, sofern an der Hessentorbrücke Pferde den Zugweg kreuzen. Auf dem letzten Tagesordnungspunkt der Drei steht dann die Organisation des Platzkonzertes. Aufgrund seiner musikalischen Expertise ist vor allem Stephan für die Vorbereitung des Platzkonzertes auf dem Markt verantwortlich. Dazu gehört die Abstimmung mit den Klangkörpern, die Kontrolle der vorhandenen Beschallungsanalagen und die Bereitstellung der Getränke für die Sänger und Musiker des Platzkonzertes. Auch hier ein kleiner Tipp an alle, die sich das Platzkonzert noch nie angeschaut haben: Geht hin, genießt und wer sich um Getränke Gedanken machen sollte – die sind reichlich im „Markt 27“ vorhanden.

Abschließend möchte ich meinen Bericht mit Hochachtung an die Leistungen der Organisatoren dieses Tages schließen. Vor allem möchte ich mich aber natürlich bei den drei Ablaufoffizieren Robert Waldmann, Bernd Miszczak und Stephan Driesen und Schützenpräsident Martin Flecken für Euer Vertrauen und die lehrhaften Einblicke bedanken. Macht weiter so!

Christian von Schreitter

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