Hubert Weissweiler – Träger des Schulterbandes zum St. Sebastianus-Ehrenkreuz und Großmeister des Understatements!

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Hubert Weissweiler – Träger des Schulterbandes zum St. Sebastianus-Ehrenkreuz und Großmeister des Understatements!

Hubert Weissweiler blickt auf 80 Lebensjahre zurück. Seit 48 Jahren ist er Mitglied unserer Gesellschaft und Mitbegründer des Zuges „Jägermeister“, anfangs deren Hauptfeldwebel und Hönes. Schießkettenträger, Hubertuskönig 1995/1996, langjähriger Ablaufoffizier, Versandchef der Hubertuszeitung und hoch dekoriertmit dem Schulterband zum St. Sebastianus-Ehrenkreuz.

Dies ist im Korps allgemein bekannt und in Artikeln der Hubertus- Zeitung mehrfach beschrieben. Der Mensch hinter den Auszeichnungen ist vielen Mitgliedern unbekannt. Er gehört eher zu den Ruhigen, einer, der sich ohne großes Bohei seit vielen Jahren für unser Korps engagiert. Hubert ist eine verlässliche Stütze der Gesellschaft. Ohne ihn und seinen Mitstreiter Erbo Zeller, würde die Hubertuszeitung nicht pünktlich viermal im Jahr im Briefkästen stecken.

Liedberg, Ideal-Standard Radiator-Werke, Neusser Kirmes und Hubertusschützen

Am 27. November 1939 erblickte Hubert Weissweiler in Liedberg das Licht der Welt und wuchs dort auf. Schon als Jugendlicher marschierte er dort zwei Jahre als Jäger mit, notgedrungen wie er sagt. Es existierten nur zwei Korps, Jäger und Grenadiere. Die Grenadiere in ihren schwarzen Anzügen waren nicht nach seinem Geschmack, da blieben ihm nur die Jäger. Mit 14 Jahren kam er wie damals üblich in die Lehre. Er erlernte den Beruf des Kaufmanns bei den Ideal-Standard Radiatorwerken im Neusser Hafen.

Die fünfziger Jahre waren nicht durch Überfluss geprägt. Mit 19 Jahre war er bereits verheiratet und lebte mit Tochter und Ehefrau, in einer 16 Quadratmeter kleinen Einraumwohnung in Liedberg. Den Umzug nach Neuss begründet er auf seine typisch trockene Art:

Ich kunnt jo Kirmes nit immer noh Liedberg fahre!

Durch Vermittlung seiner Firma bekam er eine größere Wohnung in Neuss Gnadental zugewiesen. Jetzt hatte er eine große Wohnung, aber nicht das nötige Geld, um die Miete bezahlen zu können.

Hubert fand eine praktische Lösung. Er tauschte die Wohnung mit einem Arbeitskollegen, der das nötige Kleingeld hatte und zog in dessen günstigere Wohnung. Das Wohnungsproblem war gelöst. Einige Jahre später, und zwischenzeitlich besser betucht, konnte er dann doch noch die Wohnung in Gnadental beziehen.

Neben seiner Arbeit bei Ideal-Standard war Hubert auch ein begeisterter Fußballspieler bei der DJK- Rheinkraft- Neuss. Seinem Club hat er immer die Treue gehalten. Seit 59 Jahren ist er Mitglied, genauer Ehrenmitglied. 12 Jahre war er deren Fußballobmann und unter seiner Ägide stieg der Verein von der Kreisklasse bis in die Bezirksliga auf. Und mit seinen Mitspielern gründete er auch den Hubertuszug „Jägermeister“.

Mit sieben oder acht Pärchen sind wir auf Kirmes jeden Tag im Zelt gewesen. Wir haben immer die Stühle an die Theke geholt und immer an der Theke gesessen, damit wir direkt Bedienung hatten. Nach der siebten oder achten Kirmes meinten Hans Mühleis und Gerhard Schlief, lass uns doch mal versuchen, einen Zug aufzumachen. Wir waren ja schon alle über dreißig. Gerhard war früher Jäger und wollte auch wieder zu den Jägern. Wir Anderen nicht. Wisse Boxe sind nix, wir gehen zu den Hubertusschützen. Die hatten nicht nur schwarze Hosen, sondern auch die unbequemen Stehkragen abgeschafft. Weißes Hemd mit Krawatte passte besser.

Zur Gründung trafen sie sich mit Horst Schwarzfeller und dem damaligen Hauptmann Manni Günther. Man wurde sich einig und nun musste noch ein Zugname gefunden werden. Die Vorgabe von Günther lautete, es muss etwas mit der Jagd zu tun haben. Glücklicherweise fiel der Blick auf den Aschenbecher, der gut gefüllt mitten auf dem Tisch stand. Die Aufschrift „Jägermeister“ war ein Zeichen, der Zugname war geboren und erfüllte die Vorgabe des Hauptmanns. Zu den acht Gründungsmitgliedern, stießen bald noch Werner Brosch, Karl Heinz Merks und Manfred Häger. Kontinuität wird bei den Jägermeistern großgeschrieben. 25 Jahre war Gerd Schlief Zugführer, dann folgte sein Sohn Gunther, der das Amt auch schon 23 Jahre inne hat.

Kaufmann, Wirt, Dachdecker und Rentner

Beruflich lief nicht immer alles glatt. Die Radiatorwerke schlossen ihre Tore und Hubert musste sich nach einer neuen Arbeit umschauen. Er übernahm die Gaststätte „Zum Wildpark“ auf der Weberstrasse. Für den Hauptfeldwebel Weissweiler hatte das gravierende Nachteile. Nach einigen Jahren wollte seine damalige Frau Brigitte nicht mehr hinter dem Tresen stehen. Also gaben sie die Wirtschaft auf. Seine Zeit als Wirt hatte allerdings auch einige Nachteile.

Ich war 5 Jahre Hauptfeldwebel. Als ich die Kneipe übernommen habe, konnte ich nicht mehrpünktlich zum Antreten kommen. Als Spieß geht das gar nicht!

Die Radiatorwerke geschlossen, die Wirtschaft aufgegeben, was sollte Hubert jetzt beruflich machen? Die Lösung fand sein Zugkamerad Philip Theisen, der eine Dachdeckerfirma betrieb. Dort hat er, wie er es nennt,16 Jahre lang „gehandlangert“, bis er sich im Altern von 58 Jahren beim medizinischen Dienst vorstellen sollte. An einem Kirmesmontag in Düsseldorf! Hubert erinnert sich:

Ich musste zu einem Obermedizinalrat, es ging um meine Rente. Die Parade und den Nachmittagsumzug habe ich noch mitgemacht, dann bin ich sofort nach Hause gegangen. Du kannst nicht saufen und morgens nehmen sie dir Blut ab. Um 08.00 Uhr musste ich auf der Königsallee sein.

Bei der Untersuchung hat mir der Doktor den Arm rumgedreht und es hat nur so geknirscht. Er meinte, das mit ihrem Arm haben sie mir ja gar nicht gesagt! Ich sagte ihm, ich dachte, das wäre normal. Nach der Untersuchung meinte der Amtsarzt zu mir: Der Rücken und der Arm sind hin, was halten sie davon Rentner zu werden? Ich empfehle ihnen, in Rente zu gehen! Natürlich habe ich so getan, als ob ich beleidigt gewesen wäre.

Um 10.00 Uhr war ich wieder zuhause und bin sofort zum Frühschoppen ins „Weiße Haus“. Den Jungs habe direkt gesagt, ab jetzt zahle ich nur noch halbe Beiträge, ich bin Rentner!

Prozession zum Quirinus-Fest
Prozession zum Quirinus-Fest

Hubertuskönig 1995/1996

Einen Wunschtraum hatte Hubert sein ganzes Leben. Einmal Hubertuskönig sein. 1995 erfüllte sich sein Wunsch. Für ein kleines Problemchen hatte er noch keine Lösung, er suchte eine Königin. Lassen wir ihn wieder zu Wort kommen:

Im August, auf Schützenfest, treffe ich meine Bekannte Marlies. Die wohnte auch hier auf der Bergheimer Strasse. Ich fragte sie, ich möchte gerne Hubertuskönig werden, willst du meine Königin sein? Hast du nicht Lust dazu? Überleg dir das und wenn du Königin werden willst, komm morgen an die Bar im Zelt.

Sie ist tatsächlich gekommen. Da bin ich sofort zur Band gegangen, die im Zelt spielte und hab denen gesagt, jetzt spielt ihr das Lied, Heute tanzt die Königin“. Nach Kirmes bin ich sofort zum Major gegangen und habe mich angemeldet.

Am Patronatstag setzte er sich gegen 3 Konkurrenten aus dem Zug „Germanen“ durch und wurde Hubertuskönig, mit sauberen 27 Ringen.

Ablaufoffizier

Traditionell stellt das St. Hubertuskorps die Ablaufoffiziere für das Schützenfest. Ihnen fällt die wichtige Aufgabe zu, den reibungslosen und zügigen Ablauf der Parade zu gewährleisten. Denn einige Tambourmajore versuchen vor großem Publikum, einen Soloauftritt vor dem Neusser Schützenkönig, um ihren Marktwert zu steigern. Bei Hubert hört sich das folgendermaßen an:

Als das Fernsehen kam, musste der Ablauf natürlich auch gestrafft werden.

Die Kapellen haben natürlich immer gewartet bis der letzte Zug über den Markt marschiert war, um auf dem Markt selber zu glänzen und sich zu präsentieren. Oberst Brinkmann erschien Hubert Weissweiler genau der richtige Mann für diese schwierige Aufgabe zu sein. Wie der Oberst auf ihn aufmerksam wurde, kommentiert der ehemalige Ablaufoffizier knapp und unaufgeregt:

Ich bin bei ihm immer fürs Grillen Fleisch holen gegangen!

Versandleiter der Hubertuszeitung

Regelmäßig viermal im Jahr erscheint die Hubertuszeitung. Seit 19 Jahren ist Hubert für den Versand der Zeitung verantwortlich. Anfangs, im Jahr 2000 waren es 450 Exemplare, heute sind 1150. Je nach Ausgabe wiegt eine Zeitung zwischen 190 und 200 Gramm. Da kommen mehrere Zentner Papier zusammen. Die Zeitungen müssen von der Druckerei abgeholt, in die Weissweilersche- Gartenlaube gekarrt, dort Stück für Stück etikettiert und anschließend wieder zur Post gebracht werden. Im Laufe der Jahre haben er und seine Mitstreiter, hunderte Stunden Etiketten geklebt und Tonnen an Papier bewegt.

Hubert Weissweiler

Über Hubert Weissweiler gäbe es noch vieles zu berichten; wie er in seiner Partylaube die Zugfackeln für den Fackelzug zusammenbaute, die vielen Jahre in denen er bei der  Quirinus-Prozession den Schrein mittrug oder seine Leidenschaft für den Schießsport, Borussia Mönchengladbach und das „Hahne Körfke“.

Mit seinem Königsjahr hat er sich einen Kindsheimtraum erfüllt und es in folgende Worte gefasst:

E mol Köneg sin, in Nüss am Rhing, beim Hubertuskorps voller Sonnensching, davon han esch schon als kleene Fetz jedrömt, E mol Köneg sin, sons häste jet versömt!

Norbert Meyer und Gert Schroers