„Wenn die Ernte ist vorüber …“

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„Wenn die Ernte ist vorüber …“

So beginnt das bekannte und beliebte Kirmeslied, das in diesen Tagen wieder so häufig und so kräftig gesungen wird. Dieser Textanfang steht aber auch über dem Relief, welches 1971/1972 von Schützenkönig Dr. Heinz Günther Hüsch gestiftet wurde.

Der damaligen Majestät aus dem Schützenlustzug „Bänkelsänger“ missfiel das Fehlen eines jeglichen Hinweises auf die „Schützenstadt“ Neuss im öffentlichen Raum. Die Erinnerungstafel steht am Zeughaus.

Kein Denkmal, keine Straße erinnerte an die Hochburg des schützenfestlichen Brauchtums in Deutschland. Dem machte Hüsch ein Ende, in dem er als Königsgeschenk an die Bürger der alten Quirinusstadt das von dem Künstler Wolfgang Kuhn gestaltete Bronzerelief anfertigen ließ.

In seiner Rede zum Königsehrenabend sagte Hüsch: „Die einhunderzwanzig mal siebzig Zentimetergroße Platte zeigt den Grenadier, der wie ein Krieger aus nie geschlagener Schlacht heimkehrend den Gruß und das Küsschen seiner Frau entgegennimmt. Das Kind, das mit Blumen auf ihn zueilt, den Sappeur mit den wachsamen und wachenden Augen, den Grenadieroffizier mit dem Federbusch als Symbol des ganzen Regiments, den Edelknaben stellvertretend für die Zukunft und den Jäger mit dem Füllhorn als Ausdruck der Vielfalt, der Farbe und der Freude.“

Während der Veranstaltung in der Stadthalle, auf der Dr. Heinz Günther Hüsch gefeiert wurde, konnte der Schützenkönig nur ein Bild seines Geschenkes zeigen. Erst nach dem abendlichen Umzug wurde es übergeben. Seither erinnert es das ganze Jahr an den Höhepunkt des Jahres in der Schützenfesthochburg Neuss am Rhein.

Auf dem Relief wird auch der Königsorden von Dr. Heinz Günter Hüsch sichtbar. Er zeigt das Stadtwappen. „Das Kreuz erinnert an unseren Schöpfer und seinen Auftrag“, so Hüsch damals. Die herannahende kommunale Neugliederung schimmert bei Hüsch schon durch: „Wir Neusser und unsere Stadt sind frei, wie es unsere Väter waren. Was Karl der Kühne vor fast fünfhundert Jahren nicht vermochte, soll auch heute kein anderer versuchen. Daher Hände weg von unserem lieben Neuss.“

Dies gelang, wie wir heute wissen, nicht. Leider feiern die Neusser und ihre Gäste in diesem Jahr kein unvergleichliches Schützenfest.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung